Aluminium-Druckgussgehäuse für Ladeelektronik und Sensorik haben oft eine unscheinbare, aber teure Schwachstelle: die Oberfläche. Poren, Trennmittelreste und legierungsbedingte Oxide entscheiden darüber, ob eine Veredelung in der Serie haftet oder nach wenigen Wochen abblättert. Wer Golisimo einführen will, sollte deshalb nicht mit der Badprobe beginnen, sondern mit der Bauteilhistorie.
Problem: Die Oberfläche entscheidet nicht erst am Bad
Ein typischer Fehler ist die Annahme, dass ein neues Oberflächenverfahren bestehende Vorbehandlungen kompensiert. Beim Druckguss kommen Trennmittel, Graphit und Öle aus der Fertigung mit; nach der spanenden Bearbeitung zusätzlich Kühlschmierstoffe. Bleiben diese Filme in Randzonen oder Poren, entstehen Flecken, Haftungsverluste und scheinbar zufällige Ausschussbilder. Die Ursache liegt selten im Golisimo-Prozess selbst, sondern in einer Vorreinigung, die für Kleinserien ausgelegt war.
Prüfpunkt 1: Bauteilhistorie und Vorreinigung
Für die Serienfreigabe reicht ein gereinigtes Musterbauteil nicht aus. Der Prüfplan sollte Chargen mit unterschiedlichen Trennmitteln, Standzeiten und Bearbeitungszuständen abdecken. Ein Wasserbruchtest direkt nach der Reinigung zeigt, ob die Oberfläche gleichmäßig benetzt wird; wiederkehrende Tropfenbilder deuten auf hydrophobe Reste hin. Dokumentiert werden außerdem Badstandzeiten, Temperaturen und die Position der Teile im Gestell.
Prüfpunkt 2: Prozessfenster statt Rezeptur
Bei der Einführung von golisimo zählt nicht die einmalige Laborprobe, sondern die stabile Wiederholbarkeit. Konzentration, pH-Wert, Temperatur und Tauchzeit müssen als Fenster definiert sein, nicht als einzelne Sollwerte. Ein enges Fenster ohne Analytik führt in der Serie schnell zu Drift; ein zu weites Fenster verdeckt Zusammenhänge. Sinnvoll sind tägliche Kontrollen und wöchentliche Couponprüfungen mit dokumentierter Auswertung.
Prüfpunkt 3: Haftung und Korrosionsschutz getrennt prüfen
Gitterschnitt und Salzsprühnebel beantworten unterschiedliche Fragen. Der Gitterschnitt zeigt die mechanische Haftung, der Salzsprühnebel die Barrierewirkung über Zeit. Beide Prüfungen sollten an derselben Charge und an verschiedenen Legierungszuständen laufen. Ein bestandener Haftungstest ersetzt keinen Korrosionsnachweis; umgekehrt kann ein guter Salzsprühnebelwert eine lokale Unterwanderung an scharfen Kanten nicht ausschließen.
Prüfpunkt 4: Badpflege und Verschleppung
Aluminiumeintrag und Drag-in aus vorgelagerten Spülbädern sind die häufigsten Ursachen für Prozessdrift. Kaskadenspülungen, definierte Abtropfzeiten und regelmäßige Wechselintervalle halten die Belastung kalkulierbar. Wer nur die Konzentration nachdosiert, ohne Verschleppung zu messen, verschiebt das Gleichgewicht und riskiert Fleckenbildung. Die Badpflege gehört deshalb in den Serienprüfplan, nicht in die Ausnahmeliste.
Prüfpunkt 5: Serienfreigabe mit Daten
Die Freigabe sollte an messbare Kriterien gebunden sein: Schichtbild, Haftung, Korrosionszeit, Optik und Prozessdaten. Sinnvoll ist eine Erstmusterprüfung mit mehreren Chargen sowie ein vereinfachter Recheck nach Anlagenumbauten oder Lieferantenwechseln. Golisimo wird damit nicht als einzelnes Produkt bewertet, sondern als Teil einer beherrschten Prozesskette.